„Wohnen im Umbruch“

Am 20. Mai 2026 fand die Eröffnungsfeier der Ausstellung „Wohnen im Umbruch“ der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Alten Weberei statt. Die sehr gute besuchte Veranstaltung, die von Herrn Dörr und Frau Overhageböck sehr gut organisiert und moderiert wurde, bot den jeweiligen Bürgermeisterkandidaturen eine Plattform zur Darstellung der jeweiligen Positionen. Bemerkenswert war zudem, dass im Publikum viel Expertise aus der Stadtverwaltung, aus der Baubranche und aus der Politik anwesend war.

Nach meinen Eingangsstatement: „Wohnen ist existenzielle Daseinsvorsorge“ habe ich zwei zentrale Punkte vorgetragen:

• Mein wesentliches Ziel ist es, die Baukosten spürbar zu senken. Es ist ein ambitioniertes Ziel. Aber nur so kann neuer Wohnraum günstiger dem Markt zur Verfügung gestellt werden. Folgende Ansätze:

– Die Stadtverwaltung muss die Schaffung von Wohnraum als Aufgabe priorisieren. Es ist Bekenntnis zu dieser gesellschaftlichen Herausforderung erforderlich.

– Wir müssen die Prozesse verschlanken und schneller werden (bis zur Baugenehmigung).

– Wir müssen Standards und Qualitäten absenken, die daraus entstehenden Zielkonflikte müssen wir mit einer eindeutigen Priorisierung lösen.

– Wir müssen lösungsorientiert denken – und nicht in Problemen.

• Ein wesentliches Thema ist das Flächenmanagement: wollen wir als Stadt weiter in die Fläche wachsen oder hat Nachverdichtung eine höhere Priorität? Die Antwort für mich ist klar, aber für viele Beteiligte auch schmerzhaft:

– Wir haben einen sehr großen, alten Wohnungsbestand in Nordhorn (Nordhorn ist in die Breite gewachsen, nicht in die Höhe).

– Viele Häuser sind zu groß für die Anzahl der Nutzer.

– Ein Abriss von alten, großen Objekten und der anschließende Neubau bieten ökonomisch und ökologisch den größten Mehrwert. Auch die Bildung kleiner Wohneinheiten in diesem Kontext ist wichtig.

– Natürlich sind damit auch Nachteile verbunden: eine größere Dichte in der Besiedlung führt zu potenziell zu mehr Konflikten (Parkraum, Lärmemission und Sichtschutz).

– Die Vorteile überwiegen jedoch: die Menschen bleiben in der Stadt. Deshalb: weniger Autoverkehr, kürzere Wege zu den Infrastrukturen (Kita, Schule, Einkaufen usw.). Schutz der Natur und unseres „Grüngürtels“. Erhalt der Nutzungsflächen für die Landwirtschaft.

Da ich als erster Kandidat bei der Podiumsdiskussion meine Sichtweise vortragen durfte, hatte ich leider keine Gelegenheit, auf die Argumente der Mitbewerbenden ein zugehen. Dies möchte ich mit Blick auf ein zentrales Thema nachholen: die Rolle der gewo.

Mit der gewo haben wir in Nordhorn ein verlässliches und wirkungsvolles Unternehmen für den Betrieb und die Bereitstellung von „günstigem“ Wohnraum. In dieser Beurteilung sind sich viele in Nordhorn einig.

Eine Abweichung in der Wahrnehmung sehe ich hinsichtlich der zukünftigen Herausforderun-gen und Aufgaben für die gewo. Während die Politik, die Stadtverwaltung und auch teilweise meine Mitbewerbenden eine Position bezieht, die sinngemäß darauf hinausläuft „die gewo wird schon genügend neue Wohnungen bauen“, sehe ich die Entwicklung deutlich differenzierter.

Die gewo betreut in Relation zur Größe der Stadt Nordhorn einen sehr hohen Wohnungsbestand. Dieses Immobilienportfolio ist jedoch überaltert und bedarf dringend der ökologischen und energetischen Transformation. Diese Aufgabe wird die GEWO sehr fordern. Wir können die gewo für den Neubau von Wohnraum sicherlich nutzen und auch fordern. Ich warne aber ausdrücklich vor einer Überforderung. Auch mehr Budgetmittel sind da keine Lösung, wir müssen bei der gewo auf ein organisch gesundes Wachstum setzen.

Mein Ansatz für den Ausbau des verfügbaren Wohnraums in Nordhorn liegt vor allem auf der Forcierung der privatwirtschaftlichen Seite: wir müssen den Investoren mehr Freiräume für eine effiziente Bauplanung geben. Weitere Regulierung und Vorgaben sind der falsche Weg. Weniger Bürokratie, schnellere Prozesse, Anforderungsreduzierungen und der Wille der Stadtverwaltung, mehr Wohnraum zu ermöglichen, sind die Stellschrauben für einen Erfolg.

Ich stehe mit meiner Fachkompetenz und meinen langjährigen Erfahrungen in Wirtschaft und Verwaltung für die Steuerung eines solchen Transformationsprozesses zur Verfügung.