Eröffnung der Wanderausstellung „Erinnern heißt kämpfen“

Liebe Omas gegen Rechts, liebe Gäste,

vielen Dank für die Einladung und vielen Dank für die Gelegenheit, hier sprechen zu dürfen. Die zeitliche Eingrenzung der Ausstellung „Todesopfer rechter Gewalt in Niedersachsen seit 1990“ wirkt auf den ersten Blick für mich ein wenig irritierend, denn gibt es rechte Gewalt erst seit der Wiedervereinigung? Der zweite Blick klärt auf: in der Geschichte der BRD wurde die rechte Gewalt systematisch nicht erwähnt, nicht gezählt und verdrängt. Auf dem rechten Auge war der Staat blind – der Fokus lag auf dem Linksterrorismus.

Es gab jedoch nach meiner persönlichen Einschätzung in der Gesellschaft in Westdeutschland seit jeher eine weitverbreitete Basis für rechtes Gedankengut. Ich werde diese Einschätzung nun nicht mit Studien belegen, sondern vielmehr völlig unwissenschaftlich auf eine von mir geschätzte Serie verweisen: „Ein Herz und eine Seele“ mit Ekel Alfred (Bild), produziert vom WDR, geschrieben von Wolfgang Menge und die Erstausstrahlung war von 1973 bis 1976. Es war eine Satire, doch die Sätze von Ekel Alfred mit seiner Ausländerfeindlichkeit kennen wir auch heute noch:

„Die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg“

„Früher gab’s so was nicht, da war Deutschland noch deutsch“

„Die sollen erstmal unsere Sprache lernen“

Es war der Zeitgeist, der Wolfgang Menge zu solchen Sätzen inspirierte. Zum Zeitgeist gehörte auch, dass beispielsweise der Präsident des Bundeskriminalamtes (das war Paul Dickopf von 1965 – 1971) ein Nazi war. Dickopf ist 1935 mit 25 Jahren in die NSDAP und in die SS eingetreten. Nur zur Erinnerung: auf dem rechten Auge war der Staat blind.

Zum Zeitgeist gehörte auch, dass die NPD in den 60er Jahren in 7 Landtagen vertreten, u. a. in Niedersachsen 1967 mit 7 % hineingewählt. Mit Blick auf die Gegenwart und auf unsere Zukunft: wir müssen uns als Gesellschaft viel stärker erinnern! Je weiter die schreckliche Vergangenheit und die damit verbundenen Gräueltaten sich zeitlich entfernen, desto mehr müssen wir sie in Erinnerung rufen.

Wir dürfen es nicht zulassen oder akzeptieren, dass Menschen wie Alice Weidel in den Deutschen Bundestag gewählt werden und dort Sätze sagen wie:

„Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern.“ (Quelle: Plenarprotokoll 19/36 des Deutschen Bundestages vom 16.05.2018)

Ekel Alfred war Satire – Alice Weidel und die AFD sind real – und sie sind eine reale Gefahr für unsere Demokratie! Nun habe ich einen Fehler gemacht: die Rede mit einem Zitat von Alice Weidel beendet. Deshalb nehmen Sie bitte das Bild mit: der Vergleich Alice Weidel mit Ekel Alfred. Und wenn Sie dann Alice Weidel im Fernsehen sehen – beispielsweise bei Markus Lanz in der Talkshow – denken Sie einfach, dort sitzt jetzt Ekel Alfred. Und dann können Sie selbst beim Anblick einer AFD-Person lachen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.